Sächsischer Dialekt am Telefon kann teuer werden

Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt hatte über eine kuriose Vertragsstreitigkeit zu entscheiden. Fraglich war, ob bei einer unverständlichen Aussprache des Erklärenden, dieser für ein Missverständnis einzustehen hat.

Die Beklagte aus Sachsen hat telefonisch bei einem Reisebüro einen Flug gebucht. Der Flug sollte eigentlich nach Porto gehen. Zum Verhängnis wurde der Dame ihr sächsischer Dialekt. Die sächsische Aussprache von Porto (“Boooadööö”) ähnelt phonetisch stark der Aussprache der Stadt Bordeaux.

So verstand auch die Angestellte des Reiseunternehmens am Telefon Bordeaux anstatt Porto. Nach eigenen weiteren Angaben wiederholte sie vor der finalen Buchung das Reiseziel noch zweimal auf Hochdeutsch zur Bestätigung. Die Sächsin bestätigte die Richtigkeit.

Als die Kundin den Flug nicht bezahlen wollte, klagte das Reiseunternehmen. Das Amtsgericht entschied zu Gunsten des Reisebüros. Da die Erklärung von der Kundin aus ging, habe diese auch sicherzustellen, dass die Erklärung richtig verstanden wird. Wird die gesprochene Erklärung falsch verstanden, habe dafür grundsätzlich die Kundin als Erklärende einzustehen.

Fundstelle:
Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt, Urteil vom 16.03.12 – 12 C 3263/11

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8 Kommentare zu Sächsischer Dialekt am Telefon kann teuer werden

  1. Es hätte mich allerdings schon interessiert, wie die Dame des Reiseveranstalters das Reiseziel “Bordeaux” noch zweimal auf Hochdeutsch (!) wiederholte… ;)

  2. Hi Ruediger,

    nun bin ich zwar kein Experte für den ostdeutschen Dialekt, ein unterschied zwischen Bordeaux = “Bordoh” und Bordeaux = “Bööödöööööö” sehe ich aber dennoch ;-)

    Aber ich gebe natürlich recht, “Hochdeutsch” war für ein französisches Wort vielleicht etwas unglücklich gewählt!

    Gute Nacht
    Stefan Maier

  3. Da irrt der Autor.
    Porto auf sächsich heisst “Bordoh”, Bordeaux heisst Hochdeutsch wie Sächsisch auch “Bordoh”.
    Welche “Sprache” soll bitte “Bööödöööööö” sein?

    • Hi Michael,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Das Datum des Urteils steht wie immer bei uns extra mit dabei. Wenn ein Urteil aus 2012 schon uralt ist, wie alt hab ich mich denn nun dann zu fühlen :-/

      Guck doch mal unsere anderen Beiträge an, da gibt es noch viel ältere :-)

      Gruß
      Stefan Maier

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