Richterin: „Für mich sind alle Fußballfans Gesocks“

Fußballfans
Foto: Symbolbild

Eine Richterin in Gelsenkirchen hat im Rahmen einer Verhandlung pauschal alle Fußballfans als „Gesocks“ bezeichnet. Der Anwalt des Angeklagten, Thomas Wings, ist entsetzt.

Mitte Januar fand am Amtsgericht Gelsenkirchen der Prozess gegen einen Schalke-Fan wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung statt. Dieser war während eines Fußballspiels in eine Auseinandersetzung mit einem Polizisten geraten. Im Rahmen der Verhandlung hatte der Anwalt des Angeklagten Videomaterial eines Polizeieinsatzes nach dem letzten Heimspiel der Schalker gegen Wolfsburg vorgeführt. Auf seinem Blog beschreibt Anwalt Wings das Geschehen folgendermaßen:

„In der rund einminütigen, sehr bemerkenswerten Sequenz sieht man unter anderem sehr anschaulich das extrem rüde Vorgehen der Polizei, die Stunden nach einem Spiel in Robocopanzügen eine Fankneipe umstellen, niemand herausgelassen wird und folglich niemand heraus kann und ein Polizist über den gesamten Zeitraum der Sequenz Pfefferspray in den geschlossenen Raum sprüht.“

Er ist der Meinung, dass der Polizeieinsatz mit Pfefferspray unverhältnismäßig gewesen sei. Eigentlich sollte das Videomaterial den Angeklagten entlasten und sich strafmildernd auswirken.

Die Vorsitzende Richterin sah das aber etwas anders. Und das, obwohl der Angeklagte von Anfang an geständig und auch nicht vorbestraft war. Anwalt Wings berichtete nach der Verhandlung in seinem Blog darüber. Die Richterin soll deutlich geäußert haben, dass für sie alle Fußballfans „Gesocks“ seien. Auf Nachfrage des Anwalts, ob er sich gerade verhört habe, habe sie geantwortet: „Nein, das ist meine ganz klare Meinung. Fußballfans sind für mich Gesocks. Sie können mich jetzt auch gerne ablehnen.“

Nach dieser Aussage unterbrach der Fan-Anwalt die Sitzung, um sich mit dem Mandanten zu beraten und einen Ablehnungsantrag wegen Besorgnis der Befangenheit gegen die Richterin vorzubereiten. Dieser wurde anschließend gestellt. Nach einem erfolglosen Vermittlungsversuch der Staatsanwältin wurde der Ablehnungsantrag verlesen. Doch bevor es zum Ende der Verlesung kam, habe die Richterin den Anwalt mit einem weiteren Gefühlsausbruch unterbrochen. Die im Antrag geäußerten Vorwürfe seien im Ergebnis zutreffend und sie sei befangen, so die Richterin. Dennoch hat sie dem Angeklagten anschließend ein Urteil im Rahmen einer informellen Verständigung angeboten für den Fall, dass diese das “Bestrafungsangebot” annehmen. In diesem Angebot unterschritt sie das vom Anwalt erwartete Strafmaß um nochmals gut zwei Drittel. Thomas Wings und sein Mandant stimmten dem großzügigen Angebot zu, sodass der Ablehnungsantrag als gegenstandslos bezeichnet wurde.

Das Amtsgericht Gelsenkirchen bestätigte inzwischen, dass die Äußerungen der Richterin „im Kern zutreffend“ wiedergegeben worden seien. Thomas Wings bekennt sich in seinem Blog übrigens selbst als Fußballfan. Die Frage, ob die Bezeichnung der Fußballfans als Gesocks schon eine Beleidigung sei, verneint er.

„Es dürfte sich um eine straflose Kollektivbeleidigung handeln. Immerhin ist es heutzutage anerkannt, “all cops are bastards” sagen zu dürfen, somit dürfte einer Richterin gleiches erlaubt sein, über Fußballfans zu denken und zu sagen.”, so Wings.

Fundstellen:
derwesten.de
dorkawings.de

Schlagworte:
, , , , , , , , , , ,

7 Kommentare zu Richterin: „Für mich sind alle Fußballfans Gesocks“

  1. Ich bin verwirrt ö-ö
    Und erstaunt gleichermaßen. Zu Anfang hat das alles so gewirkt als würde man sich eine geschriebe Version einer miesen RTL2-Abendshow lesen, und dann vertragen sich irgendwie alle Seiten wieder nachdem man irgendwie empört, aber nicht gleich abweisend war auf die Aussage hin. Das ganze… Es ist so… HARMLOS am Ende, ich bin geschockt, aber auf positive Weise. Wieso kann das nicht immer so einfach sein?! >.< Ja, Leute denken unterschiedlich, haben eigene Meinungen, die sie auch mal verbalisieren, aber man kann anscheinend immer noch human miteinander umgehen ö-ö
    Das ist irgendwie schön zu lesen, ganz ehrlich.

  2. Ich habe es anderswo auch schon geschrieben: Als Fußballfan denke ich
    mir zwar so meinen Teil über diese Richterin, aber ich kann diese (nicht
    strafbare) Kollektivbeleidigung auch locker ab.

    Als Teil/Organ
    der Justiz/Rechtspflege schäme ich mich allerdings fremd für so eine
    Richterin, die das gesetzliche Bild des unvoreingenommenen und
    unabhängigen Richters ad absurdum führt.

    Nach meinen Informationen
    hat sich bisher leider auch noch keiner vom Amtsgericht Gelsenkirchen
    von der Meinung der Richterin distanziert. Man darf gespannt sein, ob
    die Dienstvorgesetzte (sc. die Präsidentin des Landgerichts Essen) im
    Rahmen ihrer Dienstaufsicht das Verhalten der Amtsrichterin prüft oder
    gar sanktioniert. Da eine lobbylose Gruppe wie Fußballfans betroffen ist
    und sich das Medienecho in Grenzen hält, würde ich da allerdings nicht
    zu viel erwarten. Auch vielleicht deshalb nicht, weil ja bekanntlich die
    eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Ich lasse mich hier aber
    auch GErne eines Besseren belehren.

    Und wenn die offenkundig voreingenommene Richterin nur deshalb eine mildere
    Strafe angeboten hat, weil sie dadurch einen Befangenheitsantrag gegen
    sich und die damit verbundenen Folgen für sie (z.B. Pflicht zu einer dienstlichen Stellungnahme) verhindern wollte, dann sind das selbstverständlich völlig
    sachfremde Erwägungen, die dann zu ihrer Entscheidung/Strafzumessung
    geführt haben. Wir kommen bei dieser Richterin in der Tat dann sogar in
    die Nähe einer Rechtsbeugung, also einem Verbrechen durch die Richterin!

    • “Da eine lobbylose Gruppe wie Fußballfans betroffen ist”…

      Lobby-los ist diese Gruppe nicht. Sie machen reichlich Lobby-Arbeit. Nur alle in unterschiedliche Richtungen. Die einen für mehr Randale und die anderen für mehr Ordnung und die nächsten für…

      Solange Gewalttäter nicht isoliert werden, wird auch in der Politik sich niemand als Vertreter von Fan-Gruppen darstellen, insbesondere wird sich auch kein klar denkender Politiker oder Unternehmer in Streitigkeiten oder gar ausgelebte Feindseligkeiten bis hin zu Krawallen reinziehen lassen.

      Lobby-los als Gesamtheit ja, aber auch selber Schuld.

      Meiner Meinung nach.

  3. Und wenn jemand sagt alle Richter seien Gesocks? Das Problem hier wäre sowieso dass die Äußerung in einem konkreten Umfeld auf konkret gezeigte abgrenzbare Fans bezogen war und damit ähnlich dem demonstrativen ACAB vor einem Polizisten eben schon beleidigenden Charakter hat.

  4. Warum heißt es überall nur “Richterin”?
    Ist NIEMAND der Name bekannt?
    JEDER Zuschauer könnte bei Yelp einen Eintrag auf der Seite des Gerichtes vornehmen, und den Vorfall schildern. Inkl. Name der Vorsitzenden.
    Das Gleiche bei Facebook “Rezensionen”.
    Man kann auch eine Gruppe zu dem Gericht eröffnen, etc..
    Und ist es einem das Wert, eine .de-Domain mit dem Namen des Gerichtes und der Richterin kostet €2,29 im Jahr…
    Braucht man ja nicht mal Webspace, man kann ja auch auf eine FB-Seite leiten, oder zu Yelp etc..
    Man könnte auch eine sehr kurze Version mit Klarname auf sein Auto (A4 hinter der Scheibe) pappen, und damit in der Gegend des Gericht rumfahren (wenn man das eh macht).
    Oder als Hochkontrast-Präsentation auf das Gericht projizieren.

    Was “Fußball” angeht denke Ich ähnlich.
    Bin aber auch kein Richter.
    Fußball ist mindestens ein “Proletensport”, INKL. der Fußballer! Bei diesem Podolski frage Ich mich, ob der aufgrund mangelhafter Erziehung so redet, oder wie es zu dieser “Höhlenmenschenart” kommt (dafür kann er noch weniger, aber er sieht auch so aus, evtl. hat die Mutter wärend der Schwangerschaft… oder die Eltern siend Verwandt…).
    Das ist ernst gemeint, denn z.B. haben Italienerinnen eine höhere Stimme als Skandinavierinnen.
    Das Frauenbild in Italien (dort ist “tänzeln” vor der Kamera evtl. 30s lang “Kultur” im TV…) sorgt für höhere Stimmen (die Frauen wollen damit “weiblicher” und “schutzbedürftiger” wirken), und die werden auch von Müttern übernommen.
    Evtl. hatte Podolski auch einen solchen Machoproleten mit tiefer Stimme als Vater oder Bezugsperson…
    Margareth Thatcher nahm sogar Sparchunterricht um ihre Stimme tiefer zu bekommen…
    Denn es gibt nicht nur die “Männliche Toxizität”, sondern auch die “Webliche Toxizität”.

    Auch wenn ein Fan mal kein “Gesocks” ist, er ist Teil dieses “Millieu”.

    Ich habe mir das letzte Endspiel NICHT angesehen.
    War doch mit Deutscher Beteiligung, oder?
    Nicht mal umgeschaltet habe Ich, und Ich hatte den TV laufen…
    Ob Deutschland gewinnt ist mir ABSOLUT egal.

    Fakt ist auch, wer “Schlager” hört, ist eher ein “schlichter Mensch”.
    Mittlerweile droht man sogar in der Werbung dass es angeblich immer mehr Schlagerhörer werden.

    Fußball, Schlager, kennt hier jemand den Film “Idiocrazy”?

    Ich könnte mir beleidigende Sprüche auf das Auto kleben (und dann mal durchs Ruhrgebiet fahren, Hrhrhrhr, das müsste Ich dann filmen, wie in der Top-Gear-Episode wo jeder dem anderen was aufs Auto schreibt, und die mit Pro-Homo-Ehe oder Anti-Redneck-Sprüchen etc. durch die Südstaaten fahren…), und könnte wegen der Größe der Gruppe nicht belangt werden…

    ABER, wenn solch eine “Beleidigung” in direktem Zusammenhang vor den betroffenen Personen erfolgt, wird von der Justiz gerne eine Strafbarkeit bejaht.
    So darf Ich z.B. straffrei “Die Polizei ist ein Sammelbecken für Asoziale und Kriminelle” (Dr. Brosa) auf dem Auto haben, aber wenn Ich damit auch nur vor der Polizeiwache parke, unterstellen sie Bezugnahme… So wie im Falle des Typen der mit einer Tasche mit “ACAB” drauf vor einem Polizisten einen Tanz abzog. Damit stellte er einen Bezug zu den Polizisten vor Ort her, und es kam wohl zur Verurteilung.
    Das mit dem Sammelbecken-Spruch auf dem Auto habe Ich auch schon gemacht, und der BM von Erftstadt, Dr. Jur Rips ließ es sogar vom OA fotografieren, und sah ein, “nichts zu machen” (oder das Risiko dass Ich siege und es online und offline verbreite als zu hoch…)…

    Also hatte die Richterin hier evtl. DOCH eine Straftat begangen, weil eben in dem Zusammenhang des Vorfalls vor einem anwesenden Betroffenen…

    Wenn der Anwalt den Mandanten nicht informiert hat dass er Strafanzeige erstatten kann, oder ihm fälschlicherweise sagte das ginmge nicht wegen der Größe der Gruppe, dann ist das ein Fehler.
    Die 3 Monate nach beendigung der Tat sind ja nun auch vorbei.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*