Mädchen findet Opas Grabstein im Freizeitpark

Freizeitpark
Foto: Symbolbild

Für ein 13-jähriges Mädchen aus dem Landkreis Lichtenfels endete ein Besuch im “Horrorhaus” des Freizeitlands Geiselwind tatsächlich mit einem großen Schrecken: Auf einem Grabstein vor dem Horrorhaus stand der Name ihres 1996 gestorbenen Großvaters samt der Lebensdaten. Nun ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft in dem Fall.

Es sollte eigentlich ein fröhlicher Ministrantenausflug ins Freizeit-Land Geiselwind (Lkr. Kitzingen) werden, wie die Zeitung “inFranken.de” berichtet. Stattdessen wurde der Ausflug ins „Horrorhaus“ in dem Freizeitpark für ein junges Mädchen tatsächlich zum Horror: Weil für den künstlichen Friedhof Grabsteine der Region verwendet wurden, deren Inschriften noch lesbar waren, obwohl diese eigentlich hätten unkenntlich gemacht werden müssen, waren auch die Daten eines Angehörigen des Mädchens zu lesen.

Wegen des Verdachts auf Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener wird deshalb jetzt gegen den Betreiber des Freizeitparks ermittelt. „War das eine Schlamperei oder Vorsatz?“, so die berechtigte Frage der Witwe des Verstorbenen, dessen Grabstein von der Pietätlosigkeit betroffen war. Die Enkelin habe den Opa zwar nicht persönlich gekannt, war ihm aber durch Erzählungen der Familie auch nahe und hat regelmäßig das Grab gepflegt. „Es hat lange gedauert, bis ich den Tod meines Manns vor über 21 Jahren verarbeitet hatte und jetzt kommt alles wieder hoch – und noch dazu auf so grausame Art und Weise“, ärgert die 62-Jährige sich im Gespräch mit inFranken.de

Der Grabstein sollte eigentlich fachgerecht entsorgt werden, nachdem die Ruhezeit für das Grab abgelaufen war. Der Steinmetz handelte aber nicht wie beauftragt, sondern verkaufte den Stein wohl an den Freizeitpark. Das Geld für die “Entsorgung” hat der betroffene Steinmetz mittlerweile an die Frau zurückbezahlt und sich zu dem Fall dahingehend geäußert, dass eine Vereinbarung mit der Parkleitung bestand, dass diese selbst die Inschriften unkenntlich macht. Der Parkbetreiber bestreitet das gegenüber “inFranken.de”. Außerdem: „Ein Anruf hätte genügt“, deutet er an, dass der Stein oder zumindest die Inschrift dann wohl umgehend entfernt worden wäre.

Mittlerweile seien auf Weisung der Staatsanwaltschaft die Inschriften der Grabsteine entfernt worden, so Thorsten Seebach, Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg. „Ein solcher Fall ist mir noch nicht untergekommen, das ist ja mehr als pietätlos und makaber“, erläutert Seebach. Nach der Anzeige der Witwe ermitteln die Polizeiinspektionen in Lichtenfels und in Kitzingen in der Sache. Ermittelt werde gegen den Betreiber des Freizeit–Lands als verantwortliche Person.

Zum Verfahren gibt Seebach Auskunft, dass sich der Steinmetz wohl nicht des Betruges strafbar gemacht habe. Sollte der Betreiber hingegen wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener angeklagt werden, droht eine höhere Geldstrafe im vierstelligen Bereich, so der Staatsanwalt. Die Ermittlungen zu den Besitzern der übrigen Grabsteine dauern noch an, da die Klärung der Herkunft der Steine und der Angehörigen erheblichen Aufwand verursache.

Zwar stünden die Steine immer noch vor dem Horrorhaus. Ohne Inschrift ist dies aber nicht mehr zu beanstanden.
Denkbar wären allerdings Auflagen zur Entfernung im Zuge des Verfahrens. „Ich finde, der Betreiber müsste die Grabsteine abbauen, schließlich hat er ja etwas wieder gutzumachen“, meint die Witwe. „Für mich wäre es selbstverständlich gewesen, die Steine längst zu entfernen.“

Fundstelle:
inFranken.de vom 08.12.2017

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2 Kommentare zu Mädchen findet Opas Grabstein im Freizeitpark

    • Endlich achtet mal jemand auch auf den sorgsamen Umgang mit der Sprache – denn Schlamperei im Umgang mit Grabsteinen beginnt im Kopf und damit eben auch bei der Erstellung von Texten. Wer also im journalistischen Glashaus sitzt, lieber Stephan Weinberger, sollte in der Tat nicht mit Grabsteinen werfen!

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