Jura-Student verringert Seitenrand in Hausarbeit: Durchgefallen!

Hausarbeit
Foto: Symbolbild

Ein Jura-Student hat in einer Hausarbeit im Bürgerlichen Recht den vom Professor vorgegebenen Seitenrand um 2,5 Zentimeter verkleinert. Seine Hausarbeit wurde daraufhin mit 0 Punkten bewertet. Der Korrektor zog pro überschrittener halber Seite einen Notenpunkt ab. Dagegen zog der Student vor Gericht und unterlag. (VG Ansbach, Urteil v. 26.10.2017 – AN 2 K 17.00008)

Der Jura-Student aus Bayern wendet sich vor dem VG gegen die Bewertung seiner Hausarbeit im Rahmen seines Studiums der Rechtswissenschaft mit der Note „ungenügend“ (0 Punkte). Der Korrektor begründete die Bewertung unter anderem damit, dass der Student statt des vorgegebenen Korrekturrands von 5 cm auf der rechten Seite lediglich 2,5 cm Rand frei gelassen habe. Bei korrekter Formatierung hätte der Kläger 23 Seiten statt der erlaubten 20 Seiten benötigt. Pro überschrittener halben Seite wurde ein Notenpunkt von der bei gewöhnlicher Korrektur erzielten Gesamtpunktzahl abgezogen.

In den Bearbeitungs- und Formatierungshinweisen zu der Hausarbeit war folgendes festgelegt:

„Der Umfang der Hausarbeit darf 20 Seiten (ohne Deckblatt, Gliederung und Literaturverzeichnis, aber mit Fußnoten) nicht übersteigen. Schrifttyp: Times New Roman; Schriftgröße: 12pt, Fußnoten Schriftgröße: 10 pt; Laufweite normal; Zeilenabstand: 1,5; rechts 5 cm Korrekturrand, links 2,5 cm Rand.“

VG Ansbach weist Klage ab

Das Verwaltungsgericht (VG) Ansbach hat die Klage des Jura-Studenten mit folgender Begründung abgewiesen:

Die Bewertung der Hausarbeit mit der Note „ungenügend“ (0 Punkte) sei ein Verwaltungsakt im Sinne von Art. 35 BayVwVfG. Das Nichtbestehen der Hausarbeit habe eigenständige Regelungswirkung, da die nicht bestandene Hausarbeit nicht mit einer anderen Teilleistung im Zivilrecht ausgeglichen werden könne, sondern jede einzelne Teilleistung bestanden werden müsse. Die Klage sei jedoch unbegründet, da die Prüfungsentscheidung rechtmäßig sei und dem Kläger somit kein Anspruch auf eine Neubewertung der Hausarbeit zustünde. Im vorliegenden Falls sei kein Fehler im Prüfungsverfahren ersichtlich. Dass die einzuhaltenden Formalia nicht zwei Wochen vor Ausgabe des Sachverhalts bekannt gegeben wurden, sei kein Fehler im Prüfungsverfahren. Es genüge, wenn diese Hinweise rechtzeitig – in diesem Fall am Ende der vorausgehenden Vorlesungszeit – auf dem üblichen Weg erteilt werden würden. Auch im Übrigen seien dem Kläger durch diese Vorgehensweise keine Nachteile im Prüfungsverfahren entstanden.

Beurteilungsspielraum nicht überschritten

Auch in materieller Hinsicht sei die Bewertung der Hausarbeit unter Berücksichtigung des dem Prüfer zustehenden Beurteilungsspielraums nicht zu beanstanden. Prüfungsfehler unterlägen rechtlich nur einer eingeschränkten verwaltungsgerichtlichen Kontrolle. Prüfern komme bei ihren Entscheidungen ein prüfungsspezifischer Bewertungsspielraum zu, der nur begrenzt verwaltungsgerichtlich überprüft werden würde.

Die Berücksichtigung und Gewichtung der Überschreitung der vorgegebenen Seitenzahl bei der Bearbeitung einer Hausarbeit sei Teil des Beurteilungsspielraums des Prüfers. Neben der inhaltlichen Bearbeitung soll der Prüfling im Rahmen einer Hausarbeit aufzeigen, dass er auch die formalen Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens beherrsche und dass er in der Lage sei, unter richtiger Schwerpunktsetzung die im Sachverhalt aufgeworfenen juristischen Probleme auf einer begrenzten Seitenzahl darzustellen. Entscheidend sei in formaler Hinsicht allein, dass die Prüflinge bei der Bearbeitung der Prüfungsaufgabe wüssten, welche Formalia sie einzuhalten haben und dass die Beachtung der Formalia Teil der Prüfungsleistung sei. Der Prüfer habe im vorliegenden Fall seinen Beurteilungsspielraum bei der Bewertung der Hausarbeit mit 0 Punkten nicht überschritten.

Fundstelle:
gesetze-bayern.de

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3 Kommentare zu Jura-Student verringert Seitenrand in Hausarbeit: Durchgefallen!

  1. Naja, wenn man das Oberschul-Punktesystem zugrunde legt und für jede halbe Seite (6 Hälften) einen Punkt abzieht, hätte der Kandidat also maximal 6 Punkte und damit eine gute 4 gehabt. Berauschend ist das Ergebnis nicht. Jetzt hat er ja Übung und kann im nächsten Semester das richtig machen. Bestimmt schafft er dann auch mehr als 6 Punkte und wenn er sich dann auch an Formalien hält, die es in der Welt außerhalb der Hochschulen haufenweise gibt, wird auch nichts abgezogen.

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