Kein Anspruch auf ungeknicktes und ungetackertes Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis
Foto: Symbolbild

Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf ein ungeknicktes und ungetackertes Arbeitszeugnis. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz im November 2017 entschieden (AZ: 5 Sa 314/17). Der heute 46 Jahre alte Kläger war örtlicher Vertriebsdisponent einer überregionalen Leiharbeitsfirma am Standort Mainz. Mit dem ihm ausgestellten Arbeitszeugnis war er nicht einverstanden. Neben verschiedenen Formulierungen störte ihn auch, dass es geknickt und mit einer Heftklammer getackert war.

Bei den Formulierungen konnte der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht Mainz einen Teilerfolg erzielen. Seine Klage gegen Knicke und Heftklammer blieb dagegen vor Arbeitsgericht und nun auch vor dem LAG Rheinland-Pfalz ohne Erfolg.

Bezüglich der Knicke verwies das LAG auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) aus 1999, noch kurz vor dessen Umzug von Kassel nach Erfurt. Danach dürfen Arbeitszeugnisse zweimal gefaltet sein, damit sie in einen üblichen Geschäftsbriefumschlag passen (Urteil vom 21.09.1999, AZ: 9 AZR 839/98).

Allerdings muss das Zeugnis „kopierfähig“ sein und sich die Knicke auf der Kopie nicht abzeichnen, betonte das LAG. Hier habe zudem der Arbeitgeber das Zeugnis in einem DIN-A4-Umschlag verschickt, der vermutlich erst vom Zusteller geknickt worden sei, damit der Brief in den überfüllten Briefkasten passt.

„Der Kläger hat auch keinen Anspruch auf ein ungetackertes Zeugnis“, heißt es weiter in dem Mainzer Urteil. Darin liege kein „Geheimzeichen“. Es gebe keinerlei Belege dafür, dass ein getackertes Zeugnis Kennern vermitteln könnte, der Zeugnisaussteller sei mit dem Arbeitnehmer nicht zufrieden gewesen.

Das Bundesarbeitsgericht hatte 1999 auch “normale Knicke” nicht als Geheimzeichen gewertet. Als typisches Geheimzeichen für ein Arbeitszeugnis gilt dagegen beispielsweise eine unterstrichene Telefonnummer, die darauf hindeutet, dass ein Arbeitgeber bereit ist, telefonisch abweichende Auskünfte zu erteilen.

Fundstellen:
thorsten-blaufelder.de
LAG Rheinland-Pfalz, 09.11.2017 – 5 Sa 314/17

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1 Kommentar zu Kein Anspruch auf ungeknicktes und ungetackertes Arbeitszeugnis

  1. Das Zeugnis stellt ja eine Urkunde dar, was grundsätzlich einen sorgfältigen Umgang mit dem Dokument voraussetzt. Diesem widerspricht per se eine Praxis, ein solches Dokument zu falten oder zu tackern und zeugt von geringer Wertschätzung auch dem Zeugnisempfänger gegenüber. Wesentlich ist allerdings, dass dieser dadurch nicht im weiteren beruflichen Fortkommen unnötig behindert wird.

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