Hungrige Bauarbeiter schlachten Ziege aus Streichelzoo

Streichelzoo
Foto: Symbolziege

Zwei Männer hatten eine trächtige Angora-Ziege in der Berliner Hasenheide geschlachtet. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte die beiden nun zu mehrmonatigen Haftstrafen, welche unter anderem wegen vorhandener Vorstrafen nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die beiden Rumänen nahmen das Urteil kopfschüttelnd zur Kenntnis, wie der Tagesspiegel berichtet.

Es war der Abend des 18. Februars, als Nicusor-Razvan V. und der gleichaltrige Mihaita-Iulian auf die Ziege mit den weißen Locken aufmerksam wurden. Zuvor haben sie reichlich Alkohol konsumiert. Doch die Alkoholisierung hinderte die beiden Männer nicht daran, den zweieinhalb Meter hohen Zaun des Tierparks zu überwinden und dem Tier die Kehle zu durchtrennen. Für den Tierpark ein herber Verlust: Die dreijährige Ziege war trächtig, es sollte eine Zucht aufgebaut werden.

Anwohner hörten ein Tier schreien und alarmierten die Polizei. Die Beamten ertappten einer der Männer mit einem blutverschmierten Messer, als dieser gerade das Gelände verlassen wollte. In der Nähe wurde zudem ein Rucksack mit einem Ziegenbein gefunden und schließlich auch das tote Tier. Die beiden Angeklagten befanden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die Verteidiger verließen Geständnisse der Angeklagten: „Wir töteten das Tier, weil wir Hunger hatten“, so die Erklärung. Sie hätten „nur ein Bein“ gewollt, die wollige Ziege nachts für ein Schaf und den Streichelzoo in der Hasenheide für einen Bauernhof gehalten. Seit Anfang 2018 würden sie sich in Berlin aufhalten und als Bauhelfer arbeiten, dafür allerdings kaum Geld erhalten. „Ihr Chef hat ihnen den Lohn vorenthalten“, führt einer der Verteidiger aus. Außerdem seien die Angeklagten „bäuerlich geprägt“ und keine „Tiermörder“. Die Ziege sei artgerecht und aus Sicht der Verteidigung auch nicht ohne vernünftigen Grund geschlachtet worden. „Es geschah zu Ernährungszwecken.“

Aus rechtlicher Sicht forderten die Anwälte daher für Ihre Mandanten nur Geldstrafen, unter anderem wegen „Diebstahls geringwertiger Sachen“ und Hausfriedensbruchs. Die Staatsanwaltschaft forderte eine einjährige Gefängnisstrafe für V. und eine zehnmonatige Bewährungsstrafe für B. wegen Diebstahls mit Waffen. Denn das Küchenmesser, mit dem die Angoraziege geschlachtet wurde, sei juristisch als gefährliches Werkzeug einzuordnen.

Die Amtsrichterin verurteilte den bereits wegen Diebstahl vorbestraften Nicusor-Razvan V. zu zehn und den Mihaita-Iulian B.zu neun Monaten Freiheitsstrafe wegen des Diebstahls mit Waffen sowie der Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund. Die verhängten Strafen werden nicht zur Bewährung ausgesetzt, weil es an einer günstigen Sozialprognose fehlt. Die Angeklagten seien bereits kurz nach Einreise strafrechtlich in Erscheinung getreten, ohne festen Wohnsitz und ohne geklärte Arbeits- und Einkommensverhältnisse.

„Wenn ich Appetit auf ein Schafbein habe, gibt es keinen vernünftigen Grund, eine Ziege zu töten“, so die Amtsrichterin. Damit verwarf die Richterin die Rechtfertigung, dass die damals erheblich angetrunkenen Männer aus Hunger getötet hätten. Davon abgesehen sei das Tier gestohlen und seine Tötung strafbar gewesen. „Für Alkohol war Geld da“, sagte die Staatsanwältin. „Sie hätten sich Essen kaufen können.“

Einer der Verteidiger kündigte bereits Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Fundstelle:
tagesspiegel.de

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