Studie: Hungrige Richter fällen härtere Urteile!

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Eine Studie aus Israel kam bereits 2011 zu dem Ergebnis, dass die Urteile von Richtern unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob sie die Entscheidung vor oder nach einer Pause bzw. Mahlzeit fällten. Der britisches Jurist Sir Ernest Ryder griff das Ergebnis der Studie im April 2018 auf einem Kongress an der Warwick Universität nochmals auf und stellte es einer breiteren Öffentlichkeit vor:

In der Studie wurden über 1.000 Fälle untersucht, indem die Forscher acht israelische Richter über zehn Monate bei der Arbeit begleiteten. Die Aufgabe der Richter war jeweils, zu entscheiden, ob ein Gefangener auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden sollte oder nicht. Es gab also nur die Option “accept request” oder “reject request.”

Sowohl unter den Richtern als auch unter den Gefangenen befanden sich Männer und Frauen israelischer/jüdischer sowie arabischer Abstammung. Die Richter hatten an einem Tag 14-35 Fälle zu entscheiden. Für eine Anhörung nahmen sie sich durchschnittlich sechs Minuten Zeit. Alle Richter nahmen nach etwa 11 Fällen gegen 10 Uhr einen Snack ein. Zwischen 13.00 und 14.00 Uhr machten die Richter eine Mittagspause von etwa einer Stunde und aßen „Lunch“.

Richter regelmäßig füttern?

Die Studie kam zu einem verblüffend und gleichzeitig erschreckend klaren Ergebnis: Die Anträge der Häftlinge wurden früh morgens, direkt nach dem Snack und direkt nach der Mittagspause in Zweidritteln der Fälle positiv beschieden. Vor dem Snack bzw. zur Mittagszeit hin, wurden die Anträge in fast allen Fällen abgelehnt. Erst nach dem Snack bzw. nach dem Mittagessen pendelte sich die Quote wieder bei etwa Zweidritteln ein.

Sir Ernest Ryder stellte in seiner Rede klar, dass es nicht sinnvoll sei, Richter regelmäßig zu füttern (“the point from this is not to feed judges more often”), sondern dass die Studie vielmehr zeige, dass auch Richter nur Menschen seien, die ihre eigenen Entscheidungen ein Leben lang kritisch hinterfragen müssten („it’s that judges are people too, and prone to irrationality despite spending a lifetime learning critical thinking“). Außerdem müsse man die Qualität der Rechtsprechung durch eine gute juristische Ausbildung und regelmäßiges Training auch im sozialen und psychologischen Bereich verbessern.

Der Titel der Studie fragte danach, ob richterliche Urteile auf Fakten und der reinen Anwendung des Rechts basieren würden, er lautete: „Are judicial rulings based solely on laws and facts?“ Die klare Antwort lautete hier wohl (leider) nein! Gewitzte Strafverteidiger sollten ihre Fälle also bevorzugt nach der Mittagspause entscheiden lassen oder dem Richter ein Snickers anbieten. Denn: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!”

Fundstelle:
judiciary.gov.uk
pnas.org

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