36 Millionen Dollar und 152 Entschuldigungsbriefe für Waldbrand

Waldbrand
Foto: Symbolbild

Ein 15-jähriger Junge aus den USA muss 36 Millionen Dollar zahlen, weil er einen Waldbrand ausgelöst hat. Das entschied am Montag ein Gericht in Hood River County (Oregon).

John A. Olson hatte im September 2017 in der Schlucht Eagle Creek Canyon im Nordwesten des Landes Feuerwerkskörper angezündet. Dabei löste er einen Waldbrand aus, der sich über fast 200 Quadratkilometer ausbreitete. Mehr als 1000 Feuerwehrleute waren tagelang im Einsatz, um das Feuer zu löschen. Der Brand zerstörte unter anderem vier Wohnhäuser. Ein Highway musste komplett gesperrt und hunderte Menschen von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden. Erst Ende November war das Feuer vollständig unter Kontrolle.

Hohes Strafmaß

Im Februar 2018 wurde der Junge deswegen zu einer Bewährungsstrafe von fünf Jahren und fast 2.000 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Gericht hatte das Zünden der Feuerwerkskörper als „leichtsinnig“ eingestuft, da das Gras im Canyon im September sehr trocken und leicht entzündlich sei. Die Arbeitsstunden soll er bei der Forstbehörde ableisten. John A. Olson hatte die Verursachung des Brandes vor Gericht gestanden und sich entschuldigt. Letzteres aber eher zwangsweise, da der Richter ihn angewiesen hatte 152 Entschuldigungsbriefe an die vom Brand betroffenen Menschen und Institutionen zu schreiben.

Zusätzlich wurde der Junge dazu verurteilt, eine Entschädigung in Höhe von 36 Millionen Dollar zu bezahlen. Der Anwalt des Jungen bezeichnete die Millionenentschädigung als „absurd“ und „absolut albern“. Das sah der Richter anders. Er war der Meinung, dass die enorm hohe Summe „eindeutig verhältnismäßig sei, weil sie den finanziellen Schaden, den der Jugendliche verursacht hat, nicht übersteigt“.

Es ist aber unwahrscheinlich, dass John A. Olson die volle Summe bezahlen muss. Laut Gesetz darf ein Gericht die Einstellung der Zahlungen nach zehn Jahren anordnen, wenn der Jugendliche erfolgreich seine Bewährungszeit übersteht, keine weiteren Straftaten begeht und sich an die Zahlungspläne hält.

So hohe Summen sind deutschen Gerichten komplett fremd. Der BGH musste sich aber schon 1969 mit der kusiosen Frage auseinandersetzen, wer für den durch einen Waldbrand entstandenen Schaden haftet, wenn dieser angeblich durch den Funkenflug einer Eisenbahn ausgelöst wurde. Dabei stellte der BGH fest, dass die Beklagte grundsätzlich nach § 1 des Sachschadenhaftpflichtgesetzes zum Schadensersatz verpflichtet ist, wenn “bei dem Betrieb einer Eisenbahn” eine Sache beschädigt wird. Nach dieser Bestimmung könnte die Klägerin Ersatz des eingeklagten Brandschadens verlangen, wenn ihre Behauptung zuträfe, daß der Waldbrand durch den Funkenflug einer Dampflokomotive der Beklagten hervorgerufen worden sei. Dies konnte vorliegend aber nicht bewiesen werden. Der genaue Ort, an dem das Feuer ausgebrochen war, war auch mit Hilfe eines Sachverständigengutachtens nicht mehr zu bestimmen. Die Revision der Klägerin, die Eigentümerin des Waldgrundstücks war, wurde abgewiesen.(BGH, Urt. v. 25.03.1969, Az.: VI ZR 265/67).

Fundstelle:
independent.co.uk

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1 Kommentar zu 36 Millionen Dollar und 152 Entschuldigungsbriefe für Waldbrand

  1. “So hohe Summen sind deutschen Gerichten komplett fremd.”
    Das würde ich in dieser Pauschalität nicht sagen. Dem deutschen Recht ist es lediglich fremd, Schadensersatz als Strafe zu nutzen.
    Wenn, wie hier wohl der Fall, tatsächlich ein so hoher Schaden zurechenbar verursacht wurde, würde auch ein deutsches (Zivil-)Gericht Schadensersatz in dieser Höhe zuerkennen müssen.

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