Reisemangel: Hotelbett aus Cola-Kisten?

Cola-Kisten
Foto: Symbolbild

Bereits vor einigen Jahren musste das Amtsgericht Düsseldorf einen kuriosen Reisemängel-Fall prüfen. Pünktlich zur Urlaubzeit haben wir das Urteil für Euch ausgegraben. Es geht um ein Bett aus Cola-Kisten, „ortsüblichen“ Schimmelbefall in der Nasszelle und langes Warten im Bus.

Nicht alles, was eine Pauschalreise unangenehm macht und für Ärger sorgt, stellt einen Reisemangel dar, so die Rechtsprechung. Insbesondere, wer in südliche Länder reist, darf es mit den Anforderungen an einen angenehmen Urlaubsaufenthalt nicht immer zu genau nehmen. Schimmelbefall und langes Warten im Bus, ist okay, so zumindest das AG Düsseldorf. Bei einem improvisierten Hotelbett aus Cola-Kisten hört der Spaß aber irgendwann auf:

Anspruch auf Schadensersatz des Reisenden?

Vorliegend hatte die Klägerin ein Reiseunternehmen auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 109,20 DM verklagt. Gestützt wurde die Klage auf § 651 f BGB. Dieser lautete in seiner alten Fassung zum damaligen Zeitpunkt:

„Der Reisende kann unbeschadet der Minderung oder der Kündigung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen, es sei denn, der Mangel der Reise beruht auf einem Umstand, den der Reiseveranstalter nicht zu vertreten hat.“

Die Klägerin hatte im Rahmen einer Pauschalreise unter anderem ein Hotelzimmer mit zwei Betten und einem zusätzlichen Beistellbett gebucht. Im Hotel angekommen traute sie ihren Augen jedoch nicht: das zusätzliche Bett bestand aus einer Matratze, die auf Cola-Kisten gelegt worden war. Das AG Düsseldorf entscheid völlig zu Recht, dass diese Bett-Konstruktion einen Reisemangel darstellt. Es führte dazu aus:

„Der Klägerin ist […] darin zuzustimmen, dass ein auf Cola-Kisten aufgestellter Bettrahmen den an ein Zustellbett nach dem Wortsinn dieses Begriffs zu stellenden Anforderungen nicht genügt. Den der Klägerin infolge minderer Qualität der dritten Schlafgelegenheit entstandenen Nichterfüllungsschaden nimmt das Gericht mit 5 % des Reisepreises an.“

Schimmelpilze und langes Warten “ortsüblich”

Die Klägerin machte neben der Bett-Konstruktion in ihrer Klage noch weitere Mängel geltend, die das AG Düsseldorf jedoch allesamt verneinte:

„Bei der im Bus verbrachten Wartezeit handelt es sich angesichts der in südlichen Ländern herrschenden Gepflogenheiten, die deutsche Genauigkeit nicht nachvollziehen, um keinen Reisemangel, sondern um eine von dem Reisenden entschädigungslos hinzunehmende Unannehmlichkeit. Gleiches gilt in südlichen Ländern für Schimmelpilzbildung im Nassraum, sofern sie in ihrem Umfang nicht extrem ist. Für einen derart extremen Schimmelpilzbefall geben die von der Klägerin vorgelegten Fotos keinen Anhalt. Eine Schwimmbadbenutzung nach 18.00 Uhr war von der Beklagten, soweit ersichtlich, ebenso wenig vertraglich geschuldet wie ein warmes Abendbüffet. […]“

„Eine etwaige Verschmutzung der Liegeflächen am Pool durch Essenreste und Müll, wie sie von Urlaubern häufig verursacht wird, ist in Bezug auf sich daraus ergebende Gewährleistungsansprüche des Reisenden nur dann von Relevanz, wenn die Hotelleitung nicht für die Durchführung regelmäßiger Reinigungen sorgt.”

“Hierauf geht aber der Sachvortrag der Klägerin ebenso wenig ein wie auf die Frage, ob sie den Zustand des Hotelzimmers in Bezug auf Staub und Verfleckung des Teppichs, wie in Hotels üblich, zunächst einmal bei der Hotelleitung, verbunden mit dem Wunsch auf Durchführung einer Reinigung, reklamiert hat. Inwiefern die Beklagte auf von anderen Hotelgästen an der Poolbar ausgehende Lärmbelästigung hätte Einfluss nehmen können, ist von der Klägerin nicht dargetan.“ (AG Düsseldorf, Urt. v. 08.08.1997, Az.: 32 C 6159/

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In Zusammenarbeit mit wbs-law.tv präsentieren wir diesen Artikel als Video:

Fundstelle:
openjur.de (Urteil im Volltext)

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