Der Serienkiller, der ein mörderisches Hotel für seine Opfer baute

Serienkiller
Foto: Symbolbild

Das Strafrecht gehört mit Sicherheit zu den Rechtsgebieten, die mit Abstand die meisten kuriosen Fälle produzieren. Oft sind es Kleinigkeiten aus dem Alltag, die vor Gericht besonders seltsam anmuten. Beispielsweise der Zeuge, der (aus Versehen?) mit einer „FUCK YOU“ Schirmmütze in den Zeugenstand tritt. Oder der Junkie, der den Dealer seines Vertrauens wegen Betrugs bei der Polizei anzeigt und dann selbst hinter Gitter wandert. Jeher üben allerdings Serienkiller – egal ob real, in Serien oder Büchern – eine besondere Faszination auf uns aus. So auch Henry Howard Holmes. Ein mehrfacher Mörder, der seinen Opfern sogar ein Hotel baute, um diese damit in die Falle zu locken.

Tagsüber war H.H. Holmes ein freundlicher Hotelier, nachts zog er mordend durch die Gästezimmer seines Hauses. Das Horror-Hotel in Chicago hatte er nur erbaut, um darin ungestört morden zu können. Bis zu 200 Menschen soll er so zwischen 1890 und 1893 getötet haben. Damit zählt er nicht nur zu einem der ersten bekannten Serienmördern der USA, sondern ist auch mit Abstand der erfolgreichste.

Medizinstudium und Apotheker-Karriere

H.H. Holmes wurde 1860 in Gilmanton (New Hampshire) geboren und studierte zunächst Medizin an der Universität Michigan. Mit 26 Jahren ließ er sich in Chicago nieder, wo er als Arzt und Apotheker arbeitete. Er erfand eine Promotion und ließ sich von der Frau eines schwerkranken Apothekers in dessen Drogerie anstellen. Vor allem bei Kundinnen war der gut gekleidete, selbstbewusste Verkäufer äußerst beliebt. Nach dem Tod des Apothekers hieß es offiziell, dessen Witwe sei nach Kalifonien ausgewandert und habe dem jungen Angestellten die Apotheke verkauft. Sie wurde danach nie wieder gesehen und war vermutlich das erste Opfer des angehenden Serienkillers.

Mit den Einnahmen aus der Drogerie und zahlreichen Hypotheken begann H.H. Holmes bald mit dem Bau eines großen Wohnkomplexes auf dem Nachbargrundstück, dessen Grundriss er selbst entworfen hatte. Zu diesem Zeitpunkt soll es noch niemandem aufgefallen sein, dass das Haus über schalldichte Räume, eine Gaskammer und Geheimgänge verfügte. Mysteriös wurde es aber spätestens nach der Fertigstellung des Gebäudes: Je mehr Mieter in das Schreckenshaus einzogen, desto mehr Vermisstenanzeigen gingen bei der Polizei in Chicago ein. Dennoch verdächtigte ihn zunächst niemand des Mordes. Details kamen erst viel später ans Tageslicht. Unter anderem durch Augenzeugenberichte und ein Zeitungsinterview, in dem H.H, Holmes nach seiner Verhaftung einige der Morde gestanden hatte.

Doppelmord am Weihnachtsabend

Am Weihnachtsabend 1891 dekorierten die Freundinnen Julia Conner und Sylvia Crowe einen Tannenbaum in ihrer Wohnung im Haus von H.H. Holmes. Alles sollte perfekt sein, wenn Julias achtjährige Tochter Pearl zur großen Bescherung am nächsten Morgen aufwachte. Doch dazu kam es nicht mehr. H.H. Holmes wartete geduldig bis Julia Conner nach den Weihnachtsvorbereitungen in ihre eigenen Räume zurückgekehrt war und lockte sie dann in sein mit Messern, Nadeln, Sägen und Chloroform ausgestattetes Horrorkabinett. Nachdem er die junge Frau betäubt hatte, schlich er sich in das Zimmer ihrer schlafenden Tochter Pearl. Beide ermordete er danach im Keller des Hotels. Als Sylvia Crowe am nächsten Morgen nach ihrer Freundin suchte, teilte H.H. Holmes ihr mit, diese sei spontan abgereist. Zahlreiche weitere Frauen soll H.H. Holmes mit dem falschen Versprechen sie zu heiraten, in sein Haus gelockt und später getötet haben.

Mit Hilfe dieser perfiden Maschen, soll H.H. Holmes bis zu 200 Menschen in seinem Haus ermordet haben. Den Nachbarn war zeitweise sogar aufgefallen, dass es im Gebäude intensiv nach Chemikalien roch. Außerdem wunderte man sich, wieso der Hotelier große Mengen an Chloroform erwarb. “Manchmal verkaufte ich ihm neun-, zehnmal die Woche davon, und jedes Mal in großen Mengen”, zitiert Holmes’ Biograf Erik Larson einen Apotheker. “Ich habe ihn öfter gefragt, wofür er das Gas brauchte, aber er konnte mir keine zufriedenstellende Antwort geben.”

Weltausstellung bringt neue Opfer

1890 wurde bekannt, dass Chicago die große Weltausstellung von 1893 ausrichten sollte. Millionen Menschen würden die Stadt besuchen, darunter Tausende alleinstehender Frauen, die eine Unterkunft benötigten. H.H. Holmes lies daraufhin das Gebäude in ein Hotel umbauen. Einsame Frauen waren bei dem geschäftigen Hotelier stets willkommen, Männer erhielten die Auskunft, dass das Hotel leider ausgebucht sei. Ansonsten soll der Killer nicht wählerisch gewesen sein. Einige Opfer sperrte er in eine selbst konstruierte Gaskammer und berauschte sich an ihrem qualvollen Tod. Andere Gäste erstickte er im Schlaf auf ihren Zimmern. Manchmal weidete er die malträtierten Leichen auch aus. Die Skelette verkaufte er für viel Geld an Universitäten. Andere Körper schmiss er in Gruben mit Ätzkalk oder verbrannte sie in einem großen Ofen. “Eigentlich unterschied sich der Ofen kaum von einem Krematorium”, gab später ein Handwerker zu Protokoll.

Unterstützung soll der Serienkiller zeitweise von zwei Kumpanen gehabt haben, die auch beim Bau des Hauses geholfen hatten. Sein Gehilfe Charles Chappell erzählte später der Polizei, welches schreckliche Schicksal Sylvia Crowe ereilt hatte. “Der Leichnam erinnerte an ein Kaninchen, dem man das Fell abgezogen hatte”, sagte er in seinem Verhör aus. Die Überreste der kleinen Pearl entdeckten die Polizisten erst Jahre später als sie den Keller des Hauses genauer unter die Lupe nahmen.

Beweislage erdrückend: Todesstrafe

Nach Monaten des Mordens verließ H.H. Holmes Chicago im Herbst 1893. Gläubiger setzten ihm zu und die Angehörigen der Vermissten suchten immer energischer. Knapp ein Jahr später wurde Holmes schließlich in Philadelphia verhaftet. Er hatte seinen zweiten Spießgesellen Benjamin Pitezel ermordet, um dessen Lebensversicherung kassieren zu können. Die Polizei suchte außerdem verzweifelt nach Pitezels drei Kindern. Sie waren in H.H. Holmes Begleitung gesehen worden. Ihre Leichen wurden später verscharrt in einem Keller in Toronto gefunden.Wäre H.H. Holmes nicht derart übermütig geworden, hätte ihn die Polizei vermutlich nie oder zumindest erst wesentlich später ertappt.

Angesichts der erdrückenden Beweislast und dem Geständnis 27 Morde begangen zu haben, sprach ein Geschworenengericht H.H. Holmes schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Am 7. Mai 1896 wurde das Urteil vollstreckt. Bereut hat H. H. Holmes seine Taten nie: “Ich bin mit dem Teufel in mir geboren”.

Fundstelle:
serienkillers.de
spiegel.de

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