Mein Hund beißt mich – Bekomme ich Schmerzensgeld von der Stadt?

Hund
Foto: Symbolbild

Auch heute haben wir wieder für euch in der Mottenkiste gekramt und einen besonders kuriosen Fall aus dem Jahre 1997 ausgegraben. Es geht um den Hund! Damals war die Welt noch in Ordnung – oder doch nicht? Eine Dame hatte von der Stadt ein Schmerzensgeld verlangt, weil sie von ihrem eigenen Hund gebissen worden war. Was sich zunächst völlig unverständlich anhört, hatte aber tatsächlich einen ernsteren Hintergrund.

Stromschlag durch Weihnachtsbeleuchtung

Zu dem Biss war es nur gekommen, weil sich der Hund an einem Laternenmast einen schmerzhaften Stromschlag zugezogen hatte. Frauchen und Hund waren in der Vorweihnachtszeit gemeinsam Gassi gegangen. Als die beiden an einem mit Weihnachtsbeleuchtung dekorierten Mast vorbeikamen, warf sich die Hündin plötzlich zu Boden und zuckte wie in Krämpfen. Die Halterin eilte ihrem Tier zu Hilfe und erlitt dabei heftige Bisse in die Hände. Private Nachforschungen der Dame ergaben, dass der regenfeuchte Boden um den Laternenmast wohl unter Strom gestanden hatte, da die Leitung zur Weihnachtsbeleuchtung defekt war. Die Hundehalterin forderte deswegen ein Schmerzensgeld von der Gemeinde. Diese lehnte jedoch ab: Wahrscheinlich habe der Hund nur deshalb einen Stromschlag bekommen, weil er gegen den Mast uriniert habe.

Hundekundiges Gericht gibt Klage statt

Vor dem Landgericht Bückeburg hatte die Frau mit ihrer Klage Erfolg. Vor Gericht kam heraus, dass auch noch andere Hunde an dem Mast einen Stromschlag bekommen hatten. Das Landgericht Bückeburg urteilte deswegen, dass die Stadt die Pflicht gehabt habe, das 220-Volt-Stromkabel regelmäßig zu überprüfen – die letzte Prüfung lag jedoch 20 Jahre zurück. Die Verkehrssicherungspflicht gebiete es, Stromkabel regelmäßig auf Schwachstellen zu überprüfen. Komme es infolge eines Defekts der Leitung zu einem Unfall, auch wenn das Ereignis noch so ungewöhnlich sei, hafte der Verursache für die Folgen. Ein Urinieren des Hundes gegen den Mast könne vorliegend ausgeschlossen werden: Denn es habe sich um eine Hündin gehandelt, und die würden nun einmal anders urinieren als männliche Tiere. Das hundekundige Gericht verurteilte die Stadt zur Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes in Höhe von 1.000 DM. Die Hundehalterin hatte mehrere Bisswunden, Quetschungen und Nervenschäden an beiden Händen erlitten und konnte ihren linken Mittelfinger seit dem Vorfall nicht mehr bewegen.

Video zum Artikel
In Zusammenarbeit mit wbs-law.tv präsentieren wir diesen Artikel als Video:

Fundstellen:
LG Bückeburg, Urteil vom 24.04.1997, Az. 2 O 277/96
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2 Kommentare zu Mein Hund beißt mich – Bekomme ich Schmerzensgeld von der Stadt?

  1. Zu mein Hund bemisst, bekomme ich Schmerzensgeld. Die Dame hat per Gericht recht bekommen, aber bestimmt 1997 keine 1000,00€es können nur DM sein.

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