Polizist späht Vorgesetzten aus, um an Kaffeekasse zu kommen

Kaffekasse
Foto: Symbolbild

Bereits im März diesen Jahres war am Computer eines Berliner Polizisten ein sogenannter „Keylogger“ zum Aufzeichnen von Tastatureingaben und Ausspähen von Daten gefunden worden. Die Berliner Innenverwaltung hatte den Vorfall zunächst geheim gehalten. Inzwischen kamen die absurden Hintergründe der Spähattacke jedoch ans Licht:

Sabine Smentek, Berlins IT-Staatssekretärin, teilte mit, dass der betroffene Computer dem “polizeiärztlichen Dienst” zuzuordnen sei. Dort habe sich ein Polizist, der im Kollegenkreis wegen Zahlungsrückständen in der Kaffeekasse aufgezogen wurde, einen Scherz erlaubt. Der Beamte habe den Keylogger demnach platziert, um an die Zugangsdaten seines Chefs zu gelangen. Über den Computer seines Vorgesetzten wollte er angeblich auf die virtuelle “Kaffeekasse” in Form einer Excel-Tabelle zugreifen und sich dann ein Guthaben von einer Million Euro gutschreiben lassen. Wenige Tage nach dem Fund des Keyloggers hatte der Polizist sich selbst bei den zuständigen Ermittlern gemeldet.

Jörn Badendick, Pressesprecher des Vereins “Unabhängige in der Polizei e.V.” gab an, die Aktion habe bisher für den Beamten noch keine Konsequenzen gehabt. Zwar habe es ein Ermittlungsverfahren gegeben, doch die Staatsanwaltschaft habe “keine strafrechtlich relevanten Umstände” vorgefunden. Nach dem Bekanntwerden des Falles in den Medien wurde gegen den Mann jedoch ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Adressen von Erdogan-Kritikern weitergegeben

Der Verein sieht das Vorgehen der Berliner Polizei kritisch. Die Polizeiführung müsse ein Interesse daran haben, offensiv Verstöße aufzuklären und möglichst schwer zu machen. Ansonsten seien die Verfehlungen Einzelner geeignet, die gesamte Polizei in schlechtes Licht zu rücken. Die Polizei habe Sicherheitsprobleme, die unter anderem auch auf die Sparpolitik bei Hard- und Softwarekomponenten zurückzuführen seien. Erst im September waren Vorwürfe gegen einen anderen Polizisten bekannt geworden, der unter anderem Meldeadressen von Erdogan-Kritikern in Berlin an die türkische Botschaft übergeben haben soll. Diese lassen sich über die Polizeirechner genauso leicht abfragen wie persönliche Daten von Tätern, Opfern oder Zeugen. Außerdem gäbe es zwar Datenschutzbeauftragte, diese würden in vielen Fällen jedoch nicht einmal über die Zwischenfälle informiert werden.

Zugutehalten muss man den Polizeibehörden aber immerhin, dass die Zugriffe auf Datensätze protokolliert werden. So flog eine Polizistin auf, die ihre Nachbarschaft ausspioniert hatte. Interne Ermittler stießen auch darauf, wer einen Drogenhändlerring mutmaßlich mit Polizeiinterna versorgt hatte. Der 39-Jährige hatte seine eigenen Login-Daten benutzt und sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Fundstelle:
t-online.de

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