Tiere vor Gericht – Elefant zum Tode verurteilt

Elefant
Foto: Symbolbild

Bis in die frühe Neuzeit wurden Schweine und andere Tiere in Schauprozessen verurteilt. Oftmals zum Tode. Bis heute ist der Sinn und Zweck dieser bizarren Prozesse rechtshistorisch nicht vollständig aufgeklärt.

Das Leben im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war hart und gefährlich. Zu den Gefahren des Alltags gehörten auch diverse Begegnungen mit (wilden) Tieren. Ob Wölfe, Kühe oder Hunde. Es kam nicht selten vor, dass Menschen gebissen, getreten oder zerfleischt wurden. Trotzdem mutet es aus heutiger Sicht bizarr an, was man mit den tierischen Missetätern nach begangener Tat anstellte: Ihnen wurde nämlich wie Menschen der Prozess gemacht. Die Strafprozesse begannen schon damals – genauso wie heute – mit der Verlesung der Anklage. Den kriminellen Tieren wurde zu ihrer Verteidigung ein Anwalt bestellt. Anschließend folgte eine reguläre Verhandlung mit Beweisaufnahme. Lebte das Opfer noch, wurde es als Zeuge zu dem tierischen Angriff vernommen. Am Ende fällte ein Richter ein Urteil, das dann auch vollstreckt wurde.

Das Tier als schuldfähige Persönlichkeit

Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den Niederlanden und Frankreich sind solche Prozesse übermittelt. Der früheste bekannte Fall trug sich im Jahre 1266 in der Nähe von Paris zu. Ein Schwein hatte ein Kind angegriffen und verletzt. Zur Strafe wurde es verbrannt. Wann diese Art von Prozessen endeten, ist unklar. Im „Criminalgesetzbuch für das Königreich Sachsen“ wurde im Jahr 1883 erstmals Tierquälerei in einem Paragraph unter Strafe gestellt, womit die Tierprozesse zumindest offiziell nicht mehr gestattet waren.

Rechtshistoriker fragen sich bis heute vor allem: Wieso wurde Tieren in bestimmten Situationen eine schuldfähige bzw. rechtlich verantwortliche Persönlichkeit zuerkannt? Und welchen Sinn hatte dies? Einige Rechtshistoriker sind der Ansicht, dass es sich dabei um reine Schauprozesse handelte, die der Volksbelustigung dienen sollten. Es sei demnach gar nicht ernsthaft um die Schuld der tierischen Missetäter und deren Bestrafung gegangen. Ein Großteil der Forscher geht jedoch davon aus, dass die Prozesse, die durch zahlreiche Quellen als sicher belegt gelten, durch gebildete Juristen mit großer Ernsthaftigkeit betrieben worden seien. Einige Historiker sehen darin „Allmachtsfantadien“ der damaligen Jurisprudenz, die zwanghaft versucht haben soll, alles und jeden den geltenden Gesetzen zu unterwerfen.

Schwein ertränkt, Ochse verbrannt, Elefant gehängt

Einige der kuriosen Prozesse sind jedoch nur durch Zufall so gut belegt. Dass in Wesel 1618 ein Schwein ertränkt wurde, weil es ein Kind getötet hatte, wissen die Forscher etwa nur, wegen eines anderen Zivilprozesses. In diesem hatten sich die Pächter einer Rheinfähre dagegen gewehrt, dass ihr Schiff als Exekutionsplatz für eben diese Sau verwendet werden sollte. Aus dem Jahre 1548 existiert eine Aktennotiz, aus der sich ergibt, dass in Oberfranken ein Ochse verbrannt wurde, der einen Jungen auf seinen Hörnern aufgespießt und damit getötet hatte. Zu einem der bekanntesten Fälle gehört aber sicherlich die gehängte Elefantendame „Mary“. Diese zerquetsche 1916 den Kopf ihres Trainers und musste dafür sterben. Sie wurde an einem Kran aufgehängt und stranguliert.

Im MIttelalter gab es außerdem professionelle Hundeschläger, die in Städten durch die Gassen zogen und Hunde niederknüppelten, um der Hundeplage Herr zu werden. Noch mehr Angst hatte der Mensch aber schon jeher vor dem Wolf. Die Tiere wurde jedoch nicht nur in Prozessen verurteilt, sondern es fielen auch Menschen der Wolfsjagd zum Opfer. 1589 wurde ein Mann in Bedburg (NRW) hingerichtet, der sich angeblich regelmäßig in einen Werwolf verwandelte und Menschen gejagt haben soll. Selbstverständlich hatte dabei auch die katholische Kirche ihre Finger mit im Spiel. Sie ging mit Tierbannungen und Exorzismen gegen schädliche Nager und Insekten vor. 1492 versuchten die Schweizer beispielsweise mit Hilfe einer priesterlichen Verfluchung den Befall der Ernte mit Käferlarven zu verhindern. Angesichts der vielen Hungersnöte waren diese Versuche aber wohl eher nicht von Erfolg gekrönt.

Hund “Taro” wurde nach 3 Jahren begnadigt

Einer der späteren bekannten Fälle ist der des Hundes „Taro“. Dieser hatte einem Mädchen in die Lippe gebissen und wurde deswegen von einem US-Gericht zu Tode verurteilt. Mehr als drei Jahre saß der Hund in einer Gefängniszelle in New Jersey bevor er begnadigt wurde. Das war im Jahr 1994. Der Staat soll für die Unterbringung des Hundes bis dahin über 100.000 Dollar ausgegeben haben. Führt man sich vor Augen, dass es auch in Deutschland möglich ist, besonders bissige und deswegen gefährliche Hunde einzuschläfern, nachdem sie einen Mensch gebissen haben, mutet diese Geschichte jedoch nicht mehr ganz so kurios an.

Auch die Tierprozesse erscheinen in einem ganz anderen Licht, wenn man sich überlegt, wie lange Hexen verfolgt und verbrannt wurden. Insgesamt wird geschätzt, dass in Europa im Zuge der Hexenverfolgung drei Millionen Menschen der Prozess gemacht wurde, wobei 40.000 bis 60.000 Betroffene hingerichtet wurden. Der Höhepunkt der Verfolgungswelle in Europa liegt zwischen 1550 und 1650, also genau in der Zeit, in der auch Tiere gerne hingerichtet wurden.

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In Zusammenarbeit mit wbs-law.tv präsentieren wir diesen Artikel als Video:

Fundstelle:
spiegel.de
nytimes.com

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2 Kommentare zu Tiere vor Gericht – Elefant zum Tode verurteilt

  1. Selbstverständlich hatte dabei auch die katholische Kirche ihre Finger mit im Spiel.
    Wie immer spielt die Religion die Hauptrolle, wenn es darum geht, andere Lebewesen zu quälen – egal ob Tiere, hexen oder die vielen von Priestern missbrauchten Kinder.
    Dabei steht doch in der Bibel:
    Liebe Deinen Nächsten …

  2. Lächerlich Tiere hinzurichten.Und Ich dachte schon man hat ein Waffel wenn man nur das ganze mitansieht was Erdogan in der Türkei und Trump in den USA veranstaltet.Ich glaube langsam das Ich verrückt werden müsste oder bekloppt genug bin wenn Ich das alles verstehen müsste.

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